24. März 2020
Kategorie: gedacht

Post-Corona oder die Delle nach der Krise

Chef: Warum sind wir da nicht drin, aber die Konkurrenz?
PR: Weil wir im März die Kommunikation eingestellt haben.

Wer jetzt panisch Budgets einfriert und Kommunikationsprojekte stoppt, ist nicht dabei, wenn die Welt wieder anläuft. Wer Kommunikation nur als Kostenfaktor sieht und an der Relevanz für den Umsatz zweifelt, hat doppelt verloren - zum einen das Potenzial der eingefrorenen Projekte und zum anderen den Effekt der unterlassenen Projekte.

Und ja, ich gebe allen recht. Das Geld ist knapp. Aber sind gute und erfolgreiche Unternehmen so auf Kante genäht? Ich gebe zu, der meiste Content bringt nicht sofort und unmittelbar Umsatz. Kommunikation funktioniert nicht wie ein Kaugummi-Automat. Sie ist langfristig angelegt, sie baut Brücken, sie hält und pflegt Kontakte. In diesem Sinne muss ein Minimum geordneter und strategischer Kommunikation auch in der Krise möglich sein.

Im anderen Fall fehlt die Sichtbarkeit, wenn die Welt wieder anläuft. So wie der "Chef" das feststellt während der potenzielle Kunde die Erfolgsstory des Konkurrenten liest. Als Betriebswirtin kann ich seine Reaktion nachvollziehen. Ich verstehe ihn. Investoren sitzen ihm im Genick. Nicht nur die Mitarbeiter sind unaufschiebbare Fixkosten. Liquidität schützen ist das Gebot der Krise. Aber als Unternehmerin sehe ich eine sinnvolle Investition, die nicht getätigt wird und das hinterlässt später Spuren.

"Taler, Taler, du musst wandern."

Leiser Gesang ganz hinten in meinem Kopf, während ich diese Zeilen schreibe. Den weiteren Liedtext lasse ich in den Zeiten des #socialdistancing weg und fordere gerade jetzt zu Investitionen auf. Als kleines Unternehmen bestelle ich im Moment erst recht Fachbücher, buche Online-Fortbildungen, statte mein Unternehmen mit neuen Technologien aus. So sieht und hört man mich in den Videokonferenzen und zukünftigen Online-Workshops gut. So kann ich mit neuen Tools meine Workflows verbessern, die ich brauche, wenn es wieder verstärkt losgeht. Mein Antrieb? Nur der Euro, den ich ausgebe, der kann wieder zu mir zurückkommen. Im Verhältnis zum Konzern oder größeren Unternehmen sind meine verhältnismäßig kleinen Ausgaben Investitionen. Für kleine Unternehmen wie das meine sind das Entscheidungen ähnlicher Tragweite.

Eine weitere Investition ist Zeit. Wann wenn nicht jetzt, in der Stille des Lockdowns, ist die perfekte Zeit für neue Angebote, neue Ideen, neue Formate und Konzepte. Ich experimentiere in Feldern, für die ich sonst niemals Zeit hatte. Ich bin in der Abteilung Forschung und Entwicklung. Ich arbeite an der Strategie und werfe wieder einen Blick von außen auf das eigene Unternehmen. Für mich wäre es schade, diesen offenen, aufmerksamen und auch verletzlichen Zustand mangels Auftragseinbruch ans Putzen der Fenster zu verschwenden. Für ein kleines Unternehmen hat diese Krise eine ähnliche Tragweite wie für große. Es stellt mich auf den Kopf und ich genieße die neue Perspektive. Den neuen Blick auf alte Themen. Und den Blick durch schmutzige Fensterscheiben.

Für mich bringt dieser Umbruch - bei allem Risiko - auch Chancen. Sie sind mir willkommen. Für diese Zeit habe ich als Unternehmerin in der Vergangenheit vorgesorgt. Und jetzt kann ich meine Zukunft sichern. Hektische Akquise wäre jetzt kontraproduktiv. Die Räder stehen still. Die Hamster sind beim Klopapier kaufen. Es ist für große und kleine Unternehmen nach den ersten Herausforderungen von der richtigen Sicherheitsmaßnahme bis zum funktionierenden IT-Anschluss im Home Office die ideale Zeit sich mit ihrer Identität, ihrer Haltung, ihren Themen und ihrer Zukunft auseinander zusetzen.

Denken Sie in großen Kreisen. Nehmen Sie Abstand. Nicht nur von den Mitmenschen sondern auch vom eigenen Unternehmen. Sie sehen mehr. So mach ich das: Was bleibt? Was kommt? Was will ich? Und mit wem will ich arbeiten? Auf was stelle ich mich ein. Was brauchen meine Kunden? Was brauchen die Menschen? Heute und morgen? Von diesen Gedanken profitieren auch meine treuen und loyalen Kunden.

Zum Schluss noch ein ganz persönliches Appell: Wir brauchen unsere Medienlandschaft. Buchen Sie jetzt Anzeigen. Wir brauchen sie als Rahmen für unseren nächsten redaktionellen Beitrag, den Fachartikel, die Meldung, das Interview. Anzeigen tragen die Hefte und Onlineangebote, die unsere Logistiklandschaft ausmachen.

In diesem Sinne, schließe ich mit Watzlawik: Man kann nicht nicht kommunizieren. Wer jetzt verstummt, sagt auch etwas. 

 


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Tags: aufbruch, corona, krise