8. Juni 2017
Kategorie: gemacht

Die Angst vor dem nächsten Mal

Barack war kaum ein paar Monate im Amt, die Region Augsburg noch ein weißer Fleck auf der Logistiklandkarte, das Güterverkehrszentrum (GVZ) mehr Matsche als Verkehr und ich selbst noch festangestellte PR-Beraterin mit Job in München. 2009 starteten das von Fraunhofer als Hidden Champion ausgezeichnete GVZ im Norden von Augsburg und ich die Reihe der Veranstaltungen am Tag der Logistik. 

Ein Jahr später trällert sich Lena mit Satellite auf den ersten Platz beim European Song Contest. Augsburg (ok, ok, als Schwaben mit Ulm zusammen) ergattert im Wettbewerb der Logistikregionen Platz 18. Auf einem knallroten und mehr als mannshohen Holzwürfel ertasten Finger mit der Holzmaserung Wege von der Quelle bis zur Senke, Augen spähen durch Gucklöcher auf Bilder der Logistik, auf Knopfdruck stellt der Würfel akustische Rätsel. Für dieses Kunstwerk im Rahmen einer städtischen Kampagne fuhr ich als freiberufliche PR-Beraterin an einem eiskalten Wintertag in ein zugiges Holzkünstleratelier, um zu erklären, was an der Logistik so faszinierend ist.

Während Kate heiratet, Wulff scheitert und Benedikt aufgibt, organisiere ich drei weitere Tage der Logistik. Die Augsburger fuhren mit der Localbahn durch die Wirtschaft, die die Logistik speist. Sie wanderten im Güterverkehrszentrum über blühende Hügel um den Himmelsteich Richtung Streuobstwiesen durch grüne Logistiklandschaft. Sie neigten ihre Köpfe nach hinten und beobachteten, wie ein Reachstacker im Containerdepot von Kloiber nach nur fünf Minuten präzise mit sattem Rumms den sechsten Container auf den Stapel setzt.

Im Folgejahr zeigte ein kühler Aprilvormittag vor dem großen Fußball-Sommermärchen Grund- und Hauptschülern, wie gefährlich der tote Winkel ist. Ein Trailer von DB Schenker diente als Klassenzimmer, am Lenkrad der Mercedes-Zugmaschine reckten Kinder die Hälse und verstanden, was Blickkontakt mit dem Lkw-Fahrer bedeutet. Derweil sah ich an der Grundstücksgrenze schon die Idee für den nächsten Tag der Logistik.

Genau ein Jahr später standen Besucher im scheinbaren Durcheinander von Gartenstühlen, Zimmerpflanzen, Matratzen und Traktorreifen, als Stückgut vor den Toren mit angedockten Wechselbrücken auf ihre Verladung warteten. Eine Teilnehmerin murmelt: „Wahnsinn! Dass da nix durcheinanderkommt. Wir bekommen was geliefert und wissen gar nicht, was alles dahintersteckt.“ Jawoll. Funktioniert. Danke, Hellmann, für die Führung zum sechsten Tag der Logistik nach Augsburger Zeitrechnung.

So geht Jahr für Jahr die Idee auf. Menschen erleben Logistik. Bei Ziegler zittern sie mit dem Bürgermeister um die Wette, ob er mit dem Gabelstapler den Kronkorken von der Flasche bekommt. Dann kurven sie selbst mit dem wendefreudigen Gerät durch den aufgebauten Parcours in Richtung Flasche. Erfolgreich. Geschichten, die sich gut weitererzählen lassen und auch von der regionalen Presse aufgegriffen werden.

2017 feierte die BVL den zehnten Geburtstag ihrer grandiosen Idee. Und das GVZ Region Augsburg feierte mit. Quasi auch zum zehnten Mal, denn die Nummer neun war eine Doppelveranstaltung. Bei "Jetzt kaufen! Klick. Und dann?" verfolgten die Besucher den Weg der Bestellung aus dem Warenkorb durch das gesamte Logistikzentrum der Media Concept bis ins Zustellauto am Tor der knallgelben DHL-Anlage. Wieder ist die Presse dabei. Artikel erscheinen in der Augsburger Allgemeinen und im regionalen Portal B4B Schwaben. Die Fachpresse berichtet im Vortrubel der Messe transport logistic haarscharf über die größeren Veranstaltungen.

Macht nichts. Vieles wirkt vor Ort und mit der Zeit. Gestartet sind die Besucher übrigens genau dort, wo zehn Jahre vorher die Teilnehmer über Bretter durch den Matsch balanciert sind. Was für ein Unterschied. Nicht nur im Außen, sondern auch bei der inneren Einstellung gegenüber der Logistik. Es sind viele Nachbarn dabei, die sich schon rückversichern, dass es im nächsten Jahr wieder was Spannendes gibt. Aber klar, sag ich. Uns fällt für das nächste Mal bestimmt wieder was ein. Logistik ist schließlich spannend.

Ich glaube fest daran, dass die Reihe dieser kleinen Veranstaltungen und die Art der offenen Kommunikation Verständnis und Vertrauen erzeugt hat. Natürlich könnte man das Bürgerbeteiligung nennen. Für mich, als eher pragmatisch veranlagte Beraterin, ist das ein Klassiker der Öffentlichkeitsarbeit. Es ist der Tag der offenen Tür, die dazu passende offene Haltung des Kunden und eine super Plattform der Bundesvereinigung Logistik (BVL).

So funktioniert das. Denn gute Kommunikation geht nicht von heute auf morgen. Sie braucht Zeit. Sie klärt auf, ohne Rechtfertigung. Sie zeigt ohne Zeigefinger. Sie erzeugt Fragen und die passenden Antworten. All das braucht den stetigen Blick für Gelegenheiten und ein einfaches, aber klares Konzept. Und als begleitende Kommunikationsberaterin bin ich gespannt, ob das Vertrauen und Verständnis auch noch größere Baustellen tragen kann.


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Tags: Öffentlichkeitsarbeit, Tag der offenen Tür